Zen- und Ikonenmalerei: Meditation und Gebet mit Pinsel und Farben

 

Feine Linien, die sich in Kreisen, Spiralen oder Kurven über das Papier winden, dunkle Schriftzeichen auf hellem Hintergrund oder filigrane, netzartige Strukturen – das zeigen die Bilder des 1964 verstorbenen amerikanischen Künstlers Mark Tobey. Er gilt als Wegbereiter des amerikanischen „Abstrakten Expressionismus“ – und als Zen-Maler.

Seit dem 12. Jahrhundert üben Zen-Mönche in Japan und China diese monochrome Tuschmalerei aus. In den Bildern drücken sie ihre unmittelbaren Meditations-Erlebnisse aus. Das bedeutet ein Maximum an Technik kombiniert mit einem Minimum an Planung und Überlegung. Der Amerikaner Tobey kam 1934 auf einer Reise nach China und Japan mit der Zen-Malerei in Kontakt. „Als ich im Zen-Kloster lebte, gab man mir ein Bild, mit Sumi-Tinte gemalt, einen großen Kreis, frei mit dem Pinsel aufgetragen, um darüber zu meditieren. Was war es? Tag für Tag sah ich es an. Bedeutete es Selbstentäußerung? War es das Universum, in dem ich mich aufgeben konnte?“, erinnerte er sich später. Klassische Zen-Malerei ist absichtslos im Bezug auf die Wirkung der Bilder. Die Bilder entstehen aus der Meditation und regen Betrachter zur Meditation an.

Orientierungspunkt der Zen-Malerei ist die Natur, der Bambus etwa ein wiederkehrendes Motiv. Der gerade Wuchs symbolisiert den aufrechten Charakter eines Ehrenmannes, der harte gleichmäßige Stamm steht für innere Rechtschaffenheit. Außerdem kontrastiert die äußerliche Stärke das hohle Innere, das mit dem Zen-Ideal von „innerer Leere“ korrespondiert. Konkretes stellen Zen-Maler nie dar.

Im Gegensatz dazu sind bei der Ikonenmalerei konkrete Bilder und Porträts von Christus oder Heiligen die Motive. Während Zen-Malerei meditatives Handwerk ist, sehen Ikonenmaler ihre Arbeit nicht als Kunst, sondern als religiöses Handwerk an. Ein Ausdruck dieses Gefühls ist, dass die Maler ihre Ikonen nicht signieren, sie verstehen sich als Werkzeug Gottes. Zu Beginn der Ikonenmalerei zeichneten ausschließlich Mönche Ikonen, sie entstanden aus tiefen Gebeten. Die Ikonen aus den Ostkirchen sind zweidimensionale Gemälde und stellen Tore zu höhere Welten dar. Sie dienen als direktes Fenster zur Wirklichkeit Gottes. Mit der Betrachtung der Ikone im Gebet erfährt der Gläubige die Anwesenheit Gottes.

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